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Kein Mensch flieht freiwillig!

Reinhard Pohl

Ungefähr 50.000 Flüchtlinge beantragten im Laufe eines Jahres 2003 in Deutschland Asyl. Sie kommen aus den Krisenregionen dieser Welt, wie zum Beispiel:

Kurdistan: Etwa 40 Millionen Kurdinnen und Kurden leben in der Türkei, im Irak, im Iran, in Syrien und Armenien. Die meisten Flüchtlinge kommen aus dem Osten der Türkei und dem Norden des Irak. Sie fliehen vor politischer Verfolgung, Krieg, Unterdrückung und Folter, häufig verbunden mit Chancenlosigkeit auf ausreichende soziale und politische Teilhabe.

Kaukasus: Nach dem Ende der Sowjetunion entstanden die Nationalstaaten Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Während in Georgien separatistische Bewegungen in Abchasien und Südossetien versuchten, ihre Gebiete vom neuen Staat abzuspalten, führten Armenien und Aserbaidschan einen Krieg gegeneinander und gegen die Minderheiten im eigenen Land. Gleich-zeitig begehrten Bewegungen im Süden Russlands, dem Nord-Kaukasus, ihre Unabhängigkeit von Moskau. In einem bis heute andauernden Krieg gegen Widerstandsgruppen und Zivilbevölkerung bemüht sich Russlands Armee, Tschetscheniens Unabhängigkeit zu verhindern.

Balkan: Die Kriege seit 1990, insbesondere der Bürgerkrieg in Bosnien und der Unabhängigkeits-krieg von Kosova führen auch heute noch zu Vertreibung und Flucht. Auch Rückkehrer machen häufig die Erfahrung, dass sie in einem von Massakern und nationalistischen Vertreibungen geprägten Gebiet nicht wieder Fuß fassen können und machen sich erneut auf den Weg ins Exil.

Andere Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Pakistan, dem Iran und dem Irak, aus Algerien und Palästina, aus Togo, dem Kongo und Sierra Leone.

Wer hier Asyl beantragt, wird an das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge verwiesen, das in jedem Bundesland Außenstellen unterhält. Die Außenstelle für Schleswig-Holstein befindet sich in Lübeck, und zwar in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung. Hier werden vom Landesamt für Ausländerangelegeheiten bis zu 500 Flüchtlinge in einer ehemaligen BGS-Kaserne erstuntergebracht. In Lübeck werden Flüchtlinge aus etwa 30 verschiedenen Herkunfts-ländern aufgenommen. Dabei muss Schleswig-Holstein eine „Quote“ erfüllen: 2,8 Prozent der an einem Tag in ganz Deutschland ankommenden Flüchtlinge werden in unserem Bundesland untergebracht, ihr Asylantrag wird hier bearbeitet.

Den meisten Flüchtlingen fällt es schwer, ihre Heimat zu verlassen. Wenn sie es schaffen, nach Europa zu kommen, wollen sie häufig dort einen Asylantrag stellen, wo Bekannte oder Verwandte von ihnen wohnen. In Schleswig-Holstein beantragen zudem viele Flüchtlinge Asyl, die eigentlich nach Dänemark, Norwegen oder Schweden wollten. Polizei und Bundesgrenzschutz führen häufig Kontrollen nahe der dänischen Grenze oder vor dem Fähranlegen Puttgarden durch, Flüchtlinge werden an der Weiterreise gehindert und zur Erstaufnahme und Asylantragstellung nach Lübeck geschickt. Hier endet zunächst ihre Reise.

Zum Beispiel: Fatma

Eigentlich war es nur Pech, dass dafür sorgte, dass sie in Deutschland Asyl beantragte. Ihre gesamte Familie floh Ende der 90er Jahre, sie selbst im Jahre 2000 aus Bagdad. Verfolgung durch Saddam Hussein war der Grund. Aber der Rest ihrer Familie beantragte in Schweden Asyl, sie selbst wurde als einzige in Puttgarden gestoppt und kam so nach Lübeck und später nach Kiel. Der Asylantrag wurde vom Bundesamt abgelehnt, er ist aber noch nicht endgültig entschieden worden, da rauf wartet sie seit fast vier Jahren. Inzwischen wurde sie hier 28 Jahre alt und durfte noch immer keine Ausbildung anfangen. Verschiedene Versuche, Arbeit zu finden, scheiterten – zuletzt wollte sie in einem China-Restaurant arbeiten, bekam aber keine Arbeitsgenehmigung dafür.

Dank der Praktika in beiden Maßnahmen hat sie die Arbeit im Flüchtlingsrat und bei Sozialdienst katholischer Frauen kennen gelernt. Sie ist rundherum zufrieden mit diesen Kursen, insbesondere hat sie sich gefreut, dass sie bei beiden Praktika auch Aufgaben und Verantwortung übernehmen durfte – sie hatte gedacht, dass sie nur Hilfsarbeiten leisten darf, aber das war nicht so. Das hat ihr viel Mut gemacht, sich hinterher noch mal energisch um Arbeit zu bemühen. Auch wenn sie eigentlich lieber zu ihrer Familie nach Schweden möchte, aber das ist selbst im vereinigten Europa für Flüchtlinge fast unmöglich.

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